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Archive for Oktober 2017

Bericht von Hannah & Sarah

Narciso. Unverkennbar ein Peruaner. Geboren in einem kleinen Dorf irgendwo tief in den Anden. Fuhr am frühen Dienstagmorgen drei Stunden von Olmos nach Chiclayo, einzig allein um uns abzuholen.

Wir. Zwei studierende Schwestern in den Semesterferien auf ihrer einmonatigen Reise durch Peru. Suchend nach einem authentischeren Einblick in das peruanische Leben und die Kultur, als dem des klassischen Backpackertouristen. Er schrieb uns, wir würden ihn an der Deutschlandkappe erkennen.

In Chiclayo angekommen, erkennen wir Narciso sehr schnell und fahren nach einem gemeinsamen Frühstück in einem Colectivo drei Stunden nach Olmos. Die Straßen sind in einem extrem schlechten Zustand, aber die Fahrer kennen die Route sehr gut; es läuft Peruanische Musik und wir werden müde. Narciso wohl auch, er ist eingeschlafen. Angekommen in Olmos laufen wir durch staubige Straßen mit ärmlichen Häusern. Die Schule sei noch nicht fertig gebaut, erzählt uns Narciso. Man müsse eben alles Stück für Stück machen, so wie es gerade finanziell möglich sei. Er zuckt mit den Schultern und lacht. Diese Mentalität der Gelassenheit und Ruhe, mit der Narciso sein Projekt aufzieht und gestaltet, hat uns immer wieder sehr beeindruckt.

Wir kommen auf dem Grundstück an. Eine kleine Tür, und wir stehen in einem wunderschönen Garten, in dem sogar einige Rosen gepflanzt sind. Narciso zeigt uns das Gelände mit dem Obstgarten voller Mango-, Orangen-, Sternfruchtbäume. Einen Brunnen, den er selbst mitgebaut und geplant hat, und ein Wasserauffangbecken, in dem wir abends baden konnten. Idyllisch. So lebe ich hier, sagt Narciso, lacht wieder, und wir können uns sehr gut vorstellen, dass man hier leben kann.

In den ersten Tagen können wir ein bisschen im Garten mithelfen und haben schnell gemerkt, wie wahnsinnig viel körperliche Arbeit hinter einem solchen Garten und Schulprojekt steckt. Die Kinder schauen uns aus den Fenstern beim Hacken eines Beetes zu. Ein positives Vorbild abgeben, die neuen Gäste sitzen nicht in der Sonne, sondern packen mit an. Den Kindern Ziele und Werte vermitteln, das ist Narciso besonders wichtig.

Zum Essen sitzen wir auf der Terrasse in netter Gesellschaft von Hojer, einem Freund von Narciso, der beim Bau der Schule handwerklich sehr viel mithilft. Er redet viel mit uns, trotz unserer sehr grundlegenden Spanischkenntnisse, wodurch wir immer mehr verstehen. Eine wirklich herzliche Atmosphäre: man arbeitet zusammen, man isst zusammen, und es wird viel gelacht.

Für einen Tag dürfen wir auch am Unterricht teilnehmen. Die Interaktion zwischen Lehrern und Schülern wirkt auf uns sehr zugewandt und beiderseits respektvoll. Unser „mal Reinschauen“ endet schließlich darin, dass wir zwei Unterrichtsstunden eines kranken Lehrers vertreten. Einmal unterrichteten wir Englisch, einmal improvisierten wir etwas Deutsch. Schwierig war, dass die Schüler extreme Probleme haben ganze englische Sätze zu bilden. Trotzdem erlebten wir die Kinder als sehr aufgeschlossen, neugierig und wissbegierig. Das war toll!

Narciso hat uns viel von seiner Situation in Olmos erzählt. Wie viel Zeit und Beziehungsarbeit es braucht, um Vertrauen zu den Menschen dort aufzubauen. Denn Vertrauen sei sehr wichtig in einem kommunalen System, das sonst weniger von Werten und Rechtmäßigkeit, sondern vielmehr von Unrecht geprägt sei. Und wir sehen, dass es ihm gelungen ist, das Vertrauen und Ansehen Vieler zu gewinnen. Einen anderen Umgang zu prägen. Eine Szene, an die wir uns sehr eindrücklich erinnern: Die Schule hatte im Ort bei einem Marschier-Wettbewerb gewonnen. Narciso wollte mit den Lehrern und Schülern den Erfolg etwas feiern. Wir kauften Knabberzeug und Trinken und fuhren im Polizeiauto vom Hauptplatz durch den ganzen Ort zur Schule, die Kinder hinten auf der Ladefläche. Die Polizei war auch eingeladen und Narciso hielt eine Rede über Verantwortung und Loyalität. Wir verstanden nicht alles, aber wir konnten sehen wie andächtig die Polizisten dort um den Tisch saßen und ihm zuhörten. Wie sie scheinbar ganz klein wurden.

Neben den Erfahrungen um die Schule, erfahren wir viel über Narcisos eigene Biographie. An einem Tag fährt er mit uns zu dem Haus, welches er mit sechzehn mit seinem Vater gebaut und bewohnt hat. Ein schönes, aber einfaches Lehmhaus, ganz abseits auf dem Land. Er zeigt uns seine Plantage, wo Maracuja, Mangos, Bananen, Orangen, Limonen und andere Früchte wachsen. Man kann hier das ganze Jahr über anbauen — wenn man Wasser hat. Narciso strahlt über das ganze Gesicht während er eine Grapefruit erntet. „Wenn ich hierherkomme, verhungere ich nicht,“ sagt er.

Obwohl wir nur eine Woche in Olmos waren, kehren wir mit sehr vielen neuen Anregungen und so vielen schönen positiven Eindrücken nach Deutschland zurück. Es ist faszinierend mit wie wenig Mitteln man in einer Gemeinschaft so viel auf die Beine stellen kann.

Wir wollen mit diesem Bericht unsere große Dankbarkeit ausdrücken für die Gastfreundschaft und unglaubliche Herzlichkeit, die uns von den Menschen in und um die Schule entgegengebracht wurde. Und natürlich besonders an Narciso, der sich so viel Zeit für uns genommen hat, um uns sein Projekt und sein Leben in Olmos zu zeigen.

Muchas Gracias por todo!

Las dos hermanas, Hannah y Sarah

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Dankgottesdienst

Dankgottesdienst mit der Kinderhilfe in Olmos/Perú e.V., am Sonntag, den 22.10.2017 um 10 Uhr in der Luther-Gemeinde, Vangerowstrasse 5, 69115 Heidelberg.
Narciso und Freunde, die in Olmos waren, werden über ihre Erfahrungen in Peru berichten und Fotos zeigen. Im Anschluss ist genügend Zeit für Gespräche. Wir freuen uns sehr, Euch begrüßen zu dürfen!

PDF zum Ausdrucken und Weitergeben.

 

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