Bericht von Familie Schäfer

Bericht von Dr. Mark Schäfer, der mit seiner Familie im August 2017 bei uns in Olmos war.

Mit großer Herzlichkeit wurden wir, Familie Schäfer, in Chiclayo von Narciso Crisanto am 5. August 2017 willkommen geheißen und abgeholt. Nach Besichtigung von archäologischen Stätten aus der uns bis dahin kaum bekannten Vor-Inka Zeit in und um Chiclayo ging es anschließend auf den Weg nach Olmos.

Olmos ist eine 10.000 Einwohner-Stadt hier im Norden Perus mit großem Markt für die Region, vielen Bauern, Handwerkern, kaum Industrie. Am Fuße der Andenkette ist es hier eher trocken, die Menschen sind oft noch arm. Lediglich wenige Straßen im Zentrum sind asphaltiert, die Häuser sind meist einfach. Das Straßenbild wird dominiert von einer Vielzahl 3-rädriger Motorrad-Taxis, mit denen alles, wirklich alles transportiert wird. Während der starken Regenfälle im Frühjahr 2017 ist die 400 Jahre alte Kirche im Zentrum von Olmos leider eingestürzt und dominiert jetzt nicht mehr das schöne Stadtzentrum. Auch bei einem Ausflug in die Umgebung von Olmos und in die Anden waren die Zerstörungen von Feldern, Häusern, Straßen und Brücken durch Erdrutsche und Überschwemmungen noch an vielen Stellen sichtbar.

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Wir wurden in Olmos mit großer Gastfreundschaft aufgenommen, im Hause von Narciso mit der Verwalterfamilie von Rosa und Martin: bestes Essen und Trinken und immer ein Lächeln, auch wenn wir kaum ein Wort Spanisch sprechen. Hier halfen uns Elias Crisanto Walz und die schon seit 2,5 Monaten anwesende Lehrerin, Sandra Kircheis, sehr, wenn uns die Gesten und Worte fehlten.

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Die seit 2011 gegründete Schule lernten wir an unserem ersten Montagmorgen gleich von ihrer ganz herzlichen Seite kennen: bei der Morgenversammlung aller 170 Schülerinnen und Schüler und der ca. 10 Lehrerinnen und Lehrer wurden wir freudig begrüßt und besungen. An den nachfolgenden Tagen konnten wir dann alle gemeinsam 2 Klassenzimmer, einen Büroraum und 2 WCs grundieren und streichen. Schön war zu sehen, dass die beiden Schulklassen ihre Räume dann mit Schwung und leuchtenden Augen wieder bezogen und Unterricht wieder ganz normal- nur etwas heller- stattfand. Narciso hatte für uns diesen kleinen Arbeitseinsatz optimal vorbereitet, Material, Werkzeug bereitgelegt, uns in allen Fragen bestens begleitet und wo nötig angeleitet. Ohne die tatkräftige Mitarbeit von Sandra Kircheis und Elias hätten wir es bei den großen Räumen auch kaum oder nicht geschafft. Danke Euch!

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In Gesprächen während des Arbeitens und beim Essen oder an den Abenden erläuterte Narciso uns den Hintergrund der Schulgründung, das Konzept, die Unterschiede zu staatlichen Schulen. Die mittlerweile bis zur achten Klasse (nach deutscher Zählweise) reichende einzügige Schule mit bis zu 24 Schülern pro Klasse schafft es neben wirklich sehr guter akademischer Ausbildung im regionalen Vergleich besonders Werte für ein ganzes Leben den Schülern mitzugeben, zu vermitteln, vorzuleben: Ehrlichkeit, Freundschaft, Vertrauen, Solidarität, Zuverlässigkeit, Liebe, Vergebung anstatt Bestrafung, Umweltbewusstsein, Gesundes Leben, Gewaltlosigkeit, Achtung voreinander, Unterstützung und Hilfe füreinander….

Diese Werte und Haltungen sind sicherlich die wichtigste Grundlage für ein gutes Miteinander, für eine bessere Zukunft in einer Gesellschaft in Peru, die mit Armut, Korruption, Kriminalität kämpft. Bildung, und hier an dieser Schule Bildung für jede/jeden ohne Schulgeld, unter Bereitstellung der Schulmaterialien und sehr ausgewogener Pausenernährung ist in unseren Augen eine riesige Leistung. Für sich spricht schon alleine, dass die Schule bei der hohen Nachfrage leicht 2-3x so groß sein könnte und für die Erstklässler die Anmeldungen lange vor Beginn der offiziellen Anmeldefrist eingehen. Toll auch mitzubekommen, wie bei der Schülerauswahl die Bedürftigkeit des einzelnen Schülers/ der Schülerin ein besonders wesentlicher Aufnahmefaktor darstellt -gerade bei Kindern, die keine Eltern mehr haben oder deren Familien sehr arm sind.

Die vermittelten Werte an dieser Schule sind eng verknüpft mit dem christlichen Glauben und werden an biblischen Geschichten und Versen vermittelt aber vor allem im Alltag gelebt, besonders vom Lehrerkollegium unter geistiger und auch geistlicher Anleitung durch Narciso, der eine historisch-kritische und im Gegensatz zu vielen in Peru aktiven evangelikalen Kirchen eine erfreulich freiheitliche, offene, liberale, reflektierende und individuumsrespektierende Christlichkeit vermittelt.

Besonders waren für uns auch die Unterrichtsbesuche, die wir in verschiedenen Klassen machen durften, und in denen wir uns von der guten, professionellen und herzlichen Lernatmosphäre ein Bild machen durften. Vielen Dank an die Lehrerinnen und Lehrer und an die besuchten Klassen für deren Offenheit uns gegenüber!

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Mit unserem Besuch und dem kleinen Arbeitseinsatz haben wir Einblick nehmen dürfen in eine erfolgreiche Schule mit funktionierender Schulgemeinschaft aus Eltern, Schülern und Lehrern, die auch regelmäßig Fortbildungen erhalten und so weiter an Werten und Wissen wachsen: mich hat z.B. die Eltern/Schüler/Lehrer Fortbildungsreihe im zurückliegenden Jahr zum Thema „Gewaltlosigkeit, Gewaltprävention“ mit Psychologen, Staatsanwältin, Polizist u.a. als Redner sehr beeindruckt.

So klein unser Beitrag für die Schule in dieser Woche auch war – zum ganzen Großen und der Wichtigkeit anhaltender vielfältiger Unterstützung der Schule – so froh sind wir doch ein kleiner Teil des Ganzen gewesen sein zu dürfen! Danke!

 

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